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Gefiltert

Als ehemaliger Chemielehrer kenne ich mich ja mit Filtern und dem Filtrieren recht gut aus, aber schon in unserem Alltag gibt es welche, der Kaffeefilter, der Ölfilter am Auto oder auch unsere derzeit coronabedingt notwendige Maske. Immer geht es darum, etwas zurückzuhalten. Kaffeesatz im Kaffee mag ja wohl niemand ...

Filter gibt es auch in der Fotografie, so benutze ich schon seit vielen Jahren immer mal wieder einen Polfilter (Polarisationsfilter), um z. B. Wasseroberflächen durchsichtiger zu machen. Zu analogen Zeiten konnte man auch die Farben deutlich intensivieren. Seine Wirkung besteht im Absorbieren des polisarisierten Lichtes. UV-Filter waren zu analogen Zeiten recht sinnvoll, um den UV-Anteil des Lichts herauszufiltern, der ggf. den Film schädigen konnte. In der digitalen Fotografie sind sie eigentlich sinnlos, sie werden aber oft als "Schutzfilter" angeboten. Ich habe sie auch eine Zeitlang dafür verwendet, zumal sie bei meinem Fotohändler beim Kauf eines Objektives immer eine kostenlose Zugabe waren. Inzwischen bin ich aber eines besseren belehrt worden, dass nämlich diese Glasscheiben die Bilder nicht unbedingt verbessern. Wenn als Schutz gedacht, müssten es schon sehr hochwertige und damit teure Gläser sein. Seit einigen Jahren bin ich ohne unterwegs, die Sonnenblende richtig aufgesetzt, schützt schon sehr gut. Das Objektivglas verträgt auch einiges. Eine gewisse Achtsamkeit hilft natürlich zusätzlich. Für die analoge SW-Fotografie gab es und gibt es noch verschiedene Farbfilter, die ich allerdings nie verwendet habe. Ihre Funktion habe ich jetzt eher durch die interessanten Filmsimulationen kennengelernt, die Fujifilm in ihren digitalen Kameras anbietet.

ND-Filter (oder auch "Graufilter" genannt) besitze ich seit einigen Jahren. Den ersten mit der recht hohen Neutraldichte 3,0 (Verlängerungsfaktor 10 Blendenstufen) habe ich mir für einen Workshop in  Zingst gekauft, in dem es u. a. um Langzeitbelichtungen ging. Die Stärke war so auch für diesen Workshop angegeben. Wir wollten an der nicht so sonderlich ruhigen und recht naturbelassenen Westküste des Darß die Wasseroberfläche glätten, um so  abgestorbene Äste oder durch den ständigen Abbruch der Küste umgefallene Bäume, besser im Wasser wirken zu lassen. Das hat riesigen Spaß gemacht und diese Westküste habe ich in bester Erinnerung. Beim Kauf des Filters allerdings hatte ich allerdings zu sehr auf den Preis geachtet. Das hat sich in heftigen Farbspuren geäußert, die Bilder waren nur in SW genießbar. Zum Glück war der Schwerpunkt dieses exzellenten Workshops die Schwarzweißfotografie. Im Anschluss habe ich mir dann aber einen hochwertigen ND-Filter mit der Dichte 3,0 gekauft, er lag und liegt aber mehr in der Schublade. Benutzt habe ich ihn bei einer Island-Tour, um Wasserfälle fließender, weicher festzuhalten.  Zum Glück habe ich das auf Island nicht so oft probiert, diese Wasserfallabbildung spricht mich nicht so sehr an.

Jetzt hat es mich gereizt doch mal intensiver mit ND-Filtern zu arbeiten, weniger um glatte Wasseroberflächen zu erhalten oder Wasserfälle weicher und fließender zu fotografieren. Mir ging es um Verlängerung der Belichtungszeit, um mit der Kamera Drehungen, Schwenkungen oder auch Zoomen während der Belichtungszeiten auszuprobieren. Dazu hat sich aber in ersten Versuchen die Stärke 3,0 als zu hoch erwiesen, es funktioniert zwar schon, aber die Verschlusszeiten waren mir zu lang zu lang. Mir ging es um Bildverfremdungen, um das Spielen mit Farben. Als ideal haben sich bei meinen Experimenten ND-Filter mit der Neutraldichte 1,8 bezeichnet erwiesen. Sie verlängern die Belichtungszeit um 6 Blendenstufen. Das reicht sehr gut um bei Tageslicht mit niedrigster ISO die Belichtungszeiten praktikabel zu verlängern. Vor einigen Tagen  war ich experimentell in Wald und Flur unterwegs, ich habe ja zum Glück den Wald vor der Haustür. Unser Haus musste auch dran glauben. Belichtungszeiten, die gut funktioniert haben, lagen zwischen 0,3 - 2,5s. Die Bildwirkung ist dann natürlich jeweils unterschiedlich. Ausprobiert habe ich Schwenken der Kamera von unten nach oben mit verschiedenen Brennweiten, diese Schwenkrichtung war für mich die bessere. Oben sollte man zu viel Himmel vermeiden, weil der evtl. überbelichtet wird. Auch das Zoomen mit dem Objektiv während der Belichtung habe ich probiert. Dies Ergebnisse sind allerdings verbesserungswürdig, vermutlich habe ich die Kamer dabei auch zu sehr bewegt. Das Zoomen muss auch sehr gleichmäßig erfolgen, da werde ich weiter ausprobieren. Begeistert haben mich besonders die Drehungen der Kamer während der Belichtung, hier ist zwar auch einiges schief gegangen, aber das heutige Beispielbild ist so bei einer Belichtungszeit von 0,4Sekunden entstanden. Mir gefällt es recht gut. In den nächsten Tagen werde ich bei Facebook (https://www.facebook.com/wilfried.humann.52) und Instagram (www.instagram.com/wilfriedhumannnoch einige weitere Bilder aus dieser Versuchsreihe zeigen. 

Dieses Spielen mit der Kamera hat mir viel Spaß gemacht, es verlangt nach Wiederholung. Gerade jetzt, wo Reisen nicht möglich sind, kann man so die nähere Umgebung neu entdecken. Achtsam war das Ganze auf diese Weise auch, weil ich mal wieder mit ganz anderen Augen durch den mir durch viele Spaziergänge und Joggingrunden (als ich das gesundheitlich noch konnte) Wald gelaufen bin. Ich bin erstaunlich ruhig und zufrieden nach meinem längeren Wanderung nach Hause gekommen.

Die Bilder habe ich mir übrigens erst zuhause angeschaut. Seit ich meine X-T4  habe, bei der man das Display zuklappen kann, ist das für mich zur Gewohnheit geworden. Das hat etwas Analoges und sehr Achtsames. Ich fotografiere mit Überlegung ohne ständig am Display zu kontrollieren und nur wild drauf los zu knipsen. Die Überraschung zuhause ist dann ähnlich wie früher, wo ich auf die entwickelten Filme gewartet habe. Inzwischen vermisse ich dieses ständige Kontrollieren auch überhaupt nicht mehr. Mein Fotografieren ist so noch bewusster, noch achtsamer geworden.

Also zwei Tipps von mir zum achtsamen Fotografieren, zum Fotografieren in Achtsamkeit oder zurm Üben bzw. Steigern der Achtsamkeit:

  • Experimentiere mehr mit deiner Kamera z. B. mit ND-Filtern! 
  • Kontrolliere beim Fotografieren nicht ständig deinen Ergebnisse auf dem Display!

Ich wünsche dir viel Spaß dabei und hoffe, dass auch du die Ruhe spürst, die das bringen kann. 

 

P.S.: Ich möchte dich auch noch einmal an meine Frage erinnern: Warum fotografiert du? Ich habe auch schon einige sehr interessante Antworten bekommen. Jetzt warte ich noch auf deine Antwort, entweder über das Kontaktformular oder per Mail an: wilfried.humann@gmx.de

 

Vielen Dank!