Gestern Abend erzählte der Schauspieler Günther Maria Halmer in der
NDR-Talkshow, dass er beim Rasenmähen so wunderschön entspannen könne. Das konnte ich so überhaupt nicht nachempfinden, mich strengt das immer an. Entspannung sieht anders aus. Allerdings mähe
ich mit einem alten Benzinmäher ohne Antrieb, der uns aber schon rund 30 Jahre seine treuen Dienste tut. Außerdem liegt unser Grundstück an einem teilweise recht steilen Hang.
Ich stellte mir dann Herrn Halmer mit seinem modernen Antriebsmäher auf einer vollkommen ebenen Rasenfläche vor, was natürlich eine pure
Unterstellung ist. So könnte ich vielleicht beim Rasenmähen entspannen.
Da heute nach dem vielen Regen wieder mal Rasenmähen dran war,
habe ich bewusst mal darauf geachtet. Ich versuchte ruhig zu atmen und dabei mit dem Rasenmäher auch ganz "entspannt" meine Bahnen zu ziehen. Das klappte sogar recht gut bis auf die sehr steile
Fläche, die immer zum Schluss drankommt. Hier kam ich dann doch außer Atem und fluchte leise vor mich hin.
Wenn beim Bahnenziehen mal eine Gruppe Gänseblümchen vor mir auftaucht, mache
ich auch gerne einen kleinen Schlenker mit dem Rasenmäher drumherum und freue mich hinterher an der kleinen Blumeninsel. Das gehört für mich auch zur Achtsamkeit. Ich will keinen exakten
englischen Rasen, da darf auch mal etwas anderes wachsen. Ich freue mich im Frühling auch an den gelben Löwenzahnblüten, bevor sie aussamen, werden sie aber dann doch abgemäht. Ein paar Grashalme
sollten schon noch im Rasen vorhanden sein.
Nach getaner Arbeit setzte ich mich dann mit einem Kaltgetränk - pures Mineralwasser - auf die Bank vor unserer Gartenhütte. Von
diesem Platz aus habe ich übrigens vor einigen Tagen auch das heutige Bild - eine Impression aus unserem Garten - fotografiert. Diesen Blick konnte ich jetzt schon wieder genießen. Dazu
gesellten sich dann einige Vögel, die auf dem frisch geschnittenen Rasen nach Futter suchten. Zuerst kam eine fette Amsel, dann gesellte sich eine ganze Gruppe von Spatzen dazu und schließlich
flogen auch noch die zwei Rotschwänzchen heran, die schon seit Jahren in unserem Carport nisten. Wäre ich Vogelfotograf, wie mein Fotofreund Hans, hätte ich jetzt jede Menge Motive in fast
greifbarer Nähe gehabt.
Mein Blick schweifte auch über die letzten knallroten Klatschmohnblüten, die verschieden blühenden Rosenbüsche und die grellen orangenen Ringelblumenblüten, die sich immer wieder selbst aussäen.
Als Blümchenfotograf hätte ich mich jetzt auch austoben können. Auch die rankenden Gurkenpflanzen im Hochbeet, von denen wir schon ernten konnten, und die Paprika- und Peperonipflanzen, bei denen
wir noch auf Früchte hoffen, wachsen dort in meinem Blickfeld.
Und ich stellte jetzt immer mehr fest, wie sich die Ruhe in mir ausbreitete -
ich fühlte mich fast wie nach einer intensiven Achtsamkeitsübung. Ich bin jetzt Herrn Halmer direkt dankbar, dass er diese für mich auf de ersten Blick so wiedersprüchliche Aussage in der
gestrigen Talkshow gemacht hat. Vielleicht schaffe ich es jetzt unter diesem Aspekt, in Zukunft anders an das ungeliebte Rasenmähen heranzugehen. Ich kann es einfach als Achtsamkeitsübung
betrachten mit anschließender Meditationsphase auf der Gartenbank. Das Fotografieren ohne Kamera aus dem vorhergehenden Blogbeitrag spielte sogar auch noch mit.
Letztendlich fühlte ich mich heute auch nicht so platt wie sonst nach Rasenmähen, sondern deutlich entspannter. Ich habe dann sogar noch einen langen Wunsch meiner Frau erfüllt und den Ginkgobaum
im Garten eingepflanzt. Diesen inzwischen ca. 1,80m hohen Baum haben wir vor Jahren bei einem Besuch der Goethestadt Weimar als kleines Pflänzchen gekauft hatten, die Zwischenzeit fristete
er sein Dasein in einem Blumentopf. Goethe hat über den Ginkgo bzw. das Ginkgoblatt ein tiefsinniges Gedicht geschrieben, dass symbolhaft tiefe Freundschaft ausdrückt. Für mich ist
dieser Ginkgobaum jetzt auch ein Symbol für die tiefe Freundschaft zu meiner Frau - der besten Ehefrau, die ich mir vorstellen kann. Mit ihr bin ich schon seit unglaublichen 43 Jahren
verheiratet.
Fazit: Es war mal wieder ein erfahrungs- und lehrreicher, sehr achtsamer Nachmittag trotz des ungeliebten Rasenmähens.