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(229) Angriffslustig und unscharf

Ich war mal wieder am Meer, genauer gesagt an meiner geliebten Nordsee. Unser Ferienhaus, das wir jetzt schon schon zum vierten Mal gemietet hatten, liegt rund 15 km vom trubeligen St. Peter-Ording entfernt vollkommen alleine in der weiten Landschaft hinter den Deichen, umgeben nur von Schafen und Kühen. Ich habe nichts gegen Trubel, aber es ist immer wieder schön, wenn man sich in die Ruhe bzw. Stille zurückziehen kann. Das hat sicherlich auch sehr viel mit meiner Achtsamkeit zu tun.

Ich bin kein Strandmensch, ich kann mich nicht stundenlang in die Sonne oder auch in den Schatten legen. Aber ich genieße es am weiten kilometerlangen Strand von St. Peter-Ording zu laufen und zu laufen und zu laufen ..., vielleicht auch mit den Füßen in der Nordsee. Diese fast unendliche Weite am Strand ist auch so ein Gegensatz, den ich an St. Peter-Ording mag. Ich bummle gerne auch mal durch die Ortsteile Bad oder Dorf, tauche dort auch mal in den Trubel ein, ziehe mich dann aber gerne wieder in die Weite des Strandes zurück, wo man sehr gut auch sehr alleine in der Ruhe sein kann. Ich höre dann nur noch das Rauschen des Meeres oder auch noch das Schreien der Möwen. In der Ferne sehe ich in der flirrenden Luft je nach Perspektive den Leuchtturm von Westerhever oder die Pfahlbauten am Ordinger Strand. Auch hier kann ich sehr achtsam sein, die Achtsamkeit in dieser "Ruhe" regelrecht spüren.

Natürlich war meine Kamera auch dabei, ich habe auch viel fotografiert, aber auch viel experimentiert. Schwerpunkte waren mal wieder die ICM-Fotografie und die Spielerei mit Schärfe und Unschärfe. Mir hat das viel Spaß gemacht, die Motive mussten auch auf ihre Passung zu diesen Experimenten sehr genau gesucht werden. Auch das verlangte intensiv nach meiner Achtsamkeit, meinem voll und ganz Dasein in dem jeweiligen Auslösemoment. Einige Ergebnisse habe ich inzwischen bei FB und Instagram gezeigt. Die Resonanz geht von großer Zustimmung und Bewunderung bis hin zu heftiger Kritik und vollkommenem Veriss. Die für einige so unverständliche Unschärfe in den Bildern ist so zu einem Teil des heutigen Titels geworden. Mit dieser Kritik kann ich aber sehr gut leben, mir macht das Experimentieren Spaß und noch wichtiger: Einige der Ergebnisse gefallen mir so richtig gut. Natürlich gehe ich an die Resultate selbst schon sehr kritisch heran, gerade bei der ICM-Fotografie gibt es zumindest bei mir sehr viel Ausschuss. Aber die wenigen guten Bilder, besser gesagt die Bilder, die mir wirklich gefallen, haben etwas Einzigartiges, es sind Bilder, die nicht jede(r) hat.

Das Angriffslustige im Titel bezieht sich nicht direkt auf meine Kritiker und Kritikerinnen. Hiermit habe ich die Möwen am Eidersperrwerk bezeichnet, die sehr wild und fast schon beängstigend durch die Luft flogen. Ich habe mich dort nur sehr kurz aufgehalten und bin auch deutlich hinter der Absperrung geblieben. Auch die Hinweise auf die Brutplätze hatte ich natürlich gelesen und mich entsprechend verhalten. Eines der wenigen Bilder habe ich dann veröffentlicht und dabei die Möwen als angriffslustig bezeichnet, was in einer FB-Gruppe zu einem regelrechten Shitstorm durch Möwen- und Brutstättenverteidiger und -innen und zu sehr persönlichen direkten Beleidigungen geführt hat. Diese Form von Kritik konnte ich nicht nachempfinden, zumal ich Möwen auch schon oft außerhalb von Brutplätzen als sehr aggressiv und frech erlebt habe. Einem Freund wurde z. B. von einer Möwe der Fisch aus dem Fischbrötchen direkt aus der Hand geklaut. Leider war ich selbst in diesem Moment selbst so schockiert und habe diese Szene nicht mit der eigentlich schussbereiten Kamera festgehalten. Dieses Bild hätte ich meinen Kritikern gerne entgegen gehalten. Mein Auto musste ich nach diesem kurzen Aufenthalt am Eidersperrwerk abends gründlich putzen. Obwohl es mehrere hundert Meter vom Brutplatz entfernt geparkt war, hatten es die Möwen ordentlich "bemalt". War das auch eine Kritik?