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(254) Herausforderungen

Seit mehreren Wochen hatte ich meine Kamera kaum noch in der Hand. Gründe dafür gab und gibt es mehrere. Einerseits habe ich immer wieder heftige Kopfschmerzattacken, z. T.  über mehrere Tage und seit Wochen immer wieder sehr belastende Neurodermitis-Schübe, wie ich sie noch nie hatte. Andererseits war unsere kleine Enkelin aus Berlin für zwei Wochen zu Besuch. An den Tagen, an denen ich relativ schmerzfrei war, eroberte ich mit ihr die Spielplätze in der näheren Umgebung. Bei ihr durfte ich dabei mal wieder Anfängergeist, Wagemut, Geduld und Ausdauer intensiv erleben und bestaunen. Zum ersten Mal durch einen Tunnel am Klettergerüst hochzuklettern oder über eine schwankende Hängebrücke zu balancieren, löste bei ihr eine Freude, ein Strahlen im Gesicht aus, das für mich sehr bereichernd war. Andererseits konnte sie sich endlos lang und in großer Geduld mit einem kleinen Eimer und einer Schaufel im Sandkasten beschäftigen, ich hatte große Mühe sie davon loszueisen, weil es mir langweilig und auch kalt wurde.

Inzwischen fehlt mir die Fotografie doch wieder trotz der gesundheitlicher Belastungen. Vielleicht lenkt sie mich auch im positiven Sinne ab. Aber ich brauche dazu  eine Herausforderung, mit Kamera und dem Immer-drauf-Objektiv (16-55mm 2.8) loszuziehen, ist mir momentan nicht Anreiz genug. Vielleicht will ich auch mal wieder etwas von diesem Anfängergeist spüren, der mir  etwas Auftrieb in dieser schwierigen Zeit geben könnte. Ich beschloss mal wieder das 23mm 1.4 zu verwenden, das hat bisher seine Zeit weitgehend in der Schublade verbracht hat. Ich war schon mehrfach nah dran, es wieder zu verkaufen. Wenn ich Festbrennweiten nutze,  dann ist  es meist das phänomenale 35er 1.4 oder wegen der extrem kurzen Naheinstellgrenze das 16mm 1.4. Das dazwischenliegende 23er lag nur herum, obwohl es ja auf Vollformat umgerechnet mit 35mm das optimale Reportage-Objektiv sein soll. Ich werde die Herausforderung jetzt mal annehmen.

Gleichzeitig will ich endlich mal das JPEG-Rezept VEDATO anwenden, das ich von Thomas B. Jones bekommen habe, das ganz neu ist und nicht in seinem neuen Buch enthalten ist.  Er hat es für seine längere Kuba-Reise vor einigen Wochen entwickelt und es dort fast durchgehend für seine Reportagen genutzt. Ich will es jetzt hier in der Rhön ausprobieren, auch wenn  hier die kubanische Sonne fehlt.

Ich hoffe 23mm und VEDATO locken mich wieder zur Fotografie und der Anfängergeist beflügelt mich zusätzlich. Ich bin gespannt, muss mich allerdings dazu aufraffen.

Am Sonntag habe ich es trotz wieder heftiger Neurodermitis-Belastung endlich gemacht. Es fiel mir nicht ganz leicht, ich hatte aber am vergangen Freitag ein vielversprechendes längeres Gespräch mit meiner neuen Hautärztin, das  mir endlich nach vielen  Fehlversuchen wieder Hoffnung gegeben hat. Dazu stehen noch einige Untersuchungen aus. Am Sonntag hat es dann  endlich wieder Spaß gemacht, mit der Kamera loszuziehen. Das 23er war die erwartete Einschränkung und Herausforderung. Den richtigen Standpunkt und Blickwinkel musste  ich mir immer wieder mit den Füßen erarbeiten, Einschränkungen in kauf nehmen, auf manche Bilder auch verzichten. Aber es war mal wieder ein sehr bewusstes, äußerst achtsames  Fotografieren, das auch meiner Stimmung gut tat und noch tut - trotz einer heftigen Kopfschmerzattacke, die mich gestern mal wieder erwischt hat. 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jörg Altegoer (Donnerstag, 15 Juni 2023 07:07)

    Lieber Wilfried,
    mir war schon aufgefallen, dass Du seit einiger Zeit auf Facebook nicht so aktiv warst wie sonst. Ich hoffe, Dir geht es inzwischen etwas besser und Du bist gesundheitlich auf einem guten Weg!
    23 mm Brennweite habe ich nicht. Zwischen 14 mm und 27 mm klafft eine einigermaßen große Lücke, denn das XF 18-55 setze ich draußen praktisch nie ein sondern bin ausschließlich mit Festbrennweiten unterwegs. So steht das XF 23 mm f/1.4 steht noch auf meiner Wunschliste, ist aber momentan finanziell nicht machbar.
    Alles Gute für Dich,
    Jörg