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Die Kamera ist mein Hund!

Bei schönem Wetter fotografiert ja jede(r), so wie ich das in den vergangenen Tagen auch gemacht habe. Ich streifte durch den nahegelegenen Wald der Hessenliede, fotografierte die tiefstehende Sonne, "zauberte" Sonnensterne zwischen den Bäumen, besuchte mal wieder meinen Baum um Abendlicht und hielt auch das letzte Sonnenrot auf den gefällten Baumstämmen fest. Das hat viel Spaß gemacht und gerade in diesen Zeiten auch deutlich zur Entspannung beigetragen.

Gestern dagegen war es trüb und neblig, es regnete auch leicht. Eigentlich ist das kein Wetter zum Rausgehen, außer wenn man einen Hund besitzt. Getreu dem Motto,  dass es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, zog es mich mit wetterfester Jacke und wasserfesten Schuhen dann aber auch nach Draußen. Mit wetterfester Kamera und entsprechendem Objektiv ging ich dann los. Ziel war eine nahegelegene Wiese mit mehreren alten knorrigen und z. T.  von Misteln besetzten Obstbäumen. Der Weg dorthin war fast komplett zugewachsen, aber gerade noch erkennbar. Und dann war ich dort.

Die alten Bäume hatten im Nebel schon etwas Mystisches, ich konnte mich fast nicht satt sehen an ihnen. Ich suchte nach verschiedenen Perspektiven. Die Bäume sollten sich möglichst wenig gegenseitig verdecken. Die Vordergrundgestaltung war schwierig, außer einigen dürren Büschen, die sich wenig dafür eigneten, gab es nur neue Zaunpfähle, die mir noch weniger als Vordergrund gefielen. Ich vertraute daher auf die knorrigen Bäume und die Nebelwirkung, und das hat sich als sinnvoll erwiesen. Die wenigen Bilder mit Ästen der dürren Büsche im Vordergrund haben mir später zuhause überhaupt nicht zugesagt, und sind auch sofort gelöscht worden.

Was ich aber mit dem Blick für das Kleine auch entdeckte war ein Wildrosenbusch mit Hagebutten, an denen große Wassertropfen vom Nieselregen hingen. Was mich erstaunte war, dass die Hagebutten noch nicht erfroren waren, obwohl wir schon mehrfach Nachtfrost hatten. Sie waren eine Entdeckung, die mich fotografisch fasziniert hat. Ich machte eine ganze Reihe von Aufnahmen mit Offenblende, um den Hintergrund zu verwischen. Die Bilder begeistern mich auch heute immer noch. In einem der knorrigen alten Bäume entdeckte ich auch ein zerfallenes Baumhaus, das sich fotografisch und auch grafisch interessant von den kahlen Ästen abhob und ein wenig "Lost Place"-Charakter hatte.  Über die regenfeuchten Wiesen stapfte ich dann durchgefroren, aber nicht durchnässt nach Hause und freute mich auf einen heißen Kaffee mit einem Stück Christstollen.

Irgendwie war diese nass-neblige Fotopirsch auch von viel Achtsamkeit geprägt. Mich haben keine anderen Spaziergänger abgelenkt, ich war alleine in einer unwirtlichen Natur und vollkommen auf die Motive und das Fotografieren fixiert. Die Zeit verflog regelrecht, ich war viel länger draußen als ich mir vorgenommen hatte. Das "schlechte" Wetter hat mir überhaupt nichts ausgemacht.  Voll tiefer Ruhe kam ich nach Hause. Ich brauche keinen Hund, ich habe ja meine Kamera. 

P.S.: Ich wünsche dir schöne, ruhige und besinnliche Weihnachtsfeiertage! Sei vorsichtig in diesen schwierigen Zeiten und bleib gesund!